Healthcare Economic Index Series

Als Beispiel für die weitere Betrachtung werden die von der Ratingagentur Standard & Poors herausgegebenen S&P 500 Indices herangezogen. Einen Überblick über die einzelnen Indizes, die unter den „S&P Health Care Economic Index Series" untergliedert sind, gibt folgende Abbildung:

Quelle: S&P Press Release

 

Im Wesentlichen lassen sich hierbei drei Gruppen voneinander abgrenzen. Der S&P Healthcare Economic Composite Index fasst den stationären und ambulanten Sektor zusammen und spiegelt die monatlichen Veränderungen an Ansprüchen im Bereich staatlicher sowie privater (kommerzieller) Krankenversicherungen wider. Er spiegelt somit die ambulant und stationär erbrachten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen der Leistungserbringer wider. Die Unterscheidung in einen „Medicare"- und einen „Commercial"-Index bezieht sich auf das amerikanische Gesundheitssystem und kann für eine analoge strukturelle Umsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens nicht direkt mit der privaten (Commercial) und der gesetzlichen (Medicare) Krankenversicherung verglichen werden. Anhand der folgenden Abbildung sieht man aber sehr schön, weshalb es sinnvoll sein kann, unterschiedliche Versicherungsprinzipien nach ihren Anspruchsleistungen zu indizieren.

Im Krankenhausbereich beispielsweise führt eine Reduktion der Leistungen im Medicare-Bereich quasi zu einer verstärkten angebotsinduzierten Nachfrage im Bereich der privaten Versicherungen mit entsprechend zunehmenden Kosten. Obwohl sich dieses Beispiel nicht auf das deutsche Gesundheitssystem übertragen lässt, verdeutlicht es noch einmal sehr schön, wie wichtig es ist, eine Korrelation zwischen dem eigenen Patientenkollektiv mit dem Gesamtkollektiv des betrachteten Index herzustellen, um die richtigen strategischen Schlüsse in Bezug auf das Risikomanagement zu treffen.

Quelle: S&P Indices Whitepaper

Die beiden anderen Haupt-Indices beziehen sich einerseits auf den stationären Sektor (S&P Healthcare Economic Hospital Index) und andererseits auf den ambulanten Bereich (S&P Healthcare Economic Professional Services Index). Wie man sich an dem Beispiel der unterschiedlichen Versicherungsprogramme verdeutlichen kann, ist es für die einzelnen Beteiligten des Gesundheitswesens wichtig, die einzelnen Trends separat zu betrachten, um entsprechend ihrem individuellen Risikoprofil die richtigen Entscheidungen zu treffen. Analog zu den „S&P Healthcare Indices" sollte der GHX-Index anhand der zu erwartenden Kosten monatlich berechnet werden, damit auch entsprechende Veränderungen der Kosten engmaschig erfasst werden. Allerdings unterliegen diese Kosten auch saisonal bedingten Schwankungen, so dass es sinnvoll erscheint, Monats- bzw. Quartalsvergleiche über jeweils ein Jahr zu berechnen. Man vergleicht somit beispielsweise die angefallenen Kosten im 1. Quartal des Jahres 2010 mit denen des Jahres 2011, bzw. angefallene Kosten im Januar 2010 mit denen des Monats Januar 2011.

In der folgenden Abbildung soll dies für die Monate Januar und Juli der Jahre 2005 bis 2011 exemplarisch an den „S&P Healthcare Economic Indices" verdeutlicht werden:

Quelle: S&P Indices Whitepaper

Der Grund hierfür liegt in der abweichenden Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen begründet. Es werden beispielsweise mehr Leistungen an Werktagen als an Wochenendtagen oder während der Ferienzeit erbracht, wobei die Patienten auch hier wieder montags häufiger als an Tagen in der Wochenmitte zum Arzt gehen. In den Ferienmonaten werden somit deutlich weniger Leistungen in Anspruch genommen ohne, dass sich die Morbiditätsstruktur der Bevölkerung oder der jeweils betrachteten Patientengruppe geändert hätte.