Decentralized Autonomous Corporation

Bevor ich anfange über die Idee eines virtuell autonomen dezentralisierten Unternehmens zu sprechen, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, das Unternehmen nichts anderes sind, als Zusammenschlüsse von Menschen, die ein oder mehrere gemeinsame Ziele verfolgen.

Anders formuliert: Unternehmen stellen Gemeinschaften dar, in denen Menschen nach definierten Regeln arbeiten. Ähnliches gilt für den Besitz oder das Kapital des Unternehmens. Auch hier gibt es Regeln und Verträge, welche definieren, wie das entsprechende Kapital des Unternehmens einzusetzen ist und wer Dividenden oder Anteile am Unternehmen erhält.

Die Ziele eines Unternehmens werden durch Vorstände oder Geschäftsführungen beschlossen, welche wiederum häufig Rechenschaft vor Kontrollgremien ablegen und ihre Entscheidungen begründen müssen. Auch hier spiegeln Konventionen und Regeln, häufig auch die Vision bzw. Mission des Unternehmens die Grundlage für einzelne Entscheidungsfindungen.

Stellt ein Unternehmen Mitarbeiter ein, so wird auch von diesen verlangt, den Regeln und Gepflogenheiten des Unternehmens zu folgen und dies mit Unterschrift unter den Arbeitsvertrag auch zu bestätigen. Dies schließt insbesondere die Erbringung von Leistung gegen Entgelt mit ein.

Letzten Endes dreht es sich bei einem Unternehmen also um die Menschen, die sich daran beteiligen und den Verträgen, die geschlossen werden.

Hier stellt sich nun eine interessante Frage: Ist es möglich, das Regelwerk eines Unternehmens dergestalt zu automatisieren, dass es das Management überflüssig macht, so dass sich die Unternehmensstrukturen einzig und allein auf die Werterstellung der eigentlichen Dienstleistung oder der Produkte konzentrieren können?

Die meisten Unternehmen haben ein Leitbild (Mission Statement), in dem u.a. auch dem sozialen und moralischen Prämissen der Firma Rechnung getragen werden soll. Alle gewinnorientierten Unternehmen haben das Ziel, Dividenden an ihre Shareholder auszuschütten.

Diese Unternehmensziele sind jedoch nur so gut, wie sie von ihren Vorständen, Geschäftsführern und anderen Shareholdern interpretiert werden!

Wie wäre es nun, wenn wir das Unternehmensleitbild mit den Möglichkeiten moderner Informationstechnologien in reinen Programmiercode übertragen könnten ?

Man könnte einen Vertrag gestalten, der die Einnahmen der Mitarbeiter sichert, der die Dividenden der Shareholder definiert und der die Wertschöpfungskette des Unternehmens in transparenten Code überführt, alles ohne die Notwendigkeit eines Top-Down-geführten Managements.

Seit spätestens 2009 haben wir mindestens ein Beispiel wie die Grundstruktur eines solchen Unternehmens aufgebaut sein könnte. Das Bitcoin-Netz kann als erster Prototyp eines virtuell autonom dezentralisierten Unternehmens angesehen werden. Die Anteile an Bitcoin ließen sich in diesem Fall auf 21 Millionen Aktien verteilen, die sich in Form der eigenen Währung „Bitcoin“ an die Shareholder ausgeschüttet werden können. Mitarbeiter dieses Netzes werden mit 25 Bitcoins (BTC) belohnt, wenn sie die Blockkette um einen entsprechenden Eintrag erweitern.

Dieser erste Prototyp einer „Decentralized Autonomous Corporation“ ist in seiner Funktionalität jedoch äußerst begrenzt. Es besitzt keine Möglichkeit der flexiblen Änderung seines Geschäftsprinzips (außer der Erhöhung der Schwierigkeit für das „Minen“ neuer Bitcoins).

An dieser Stelle lautet die neue Frage: Können wir es vielleicht besser machen ?

Ich will dieser Frage in den nächsten Blogeinträgen nachgehen